Gaming: Zwischen Spaß, Sucht und Chancen

Digitale Spiele gehören längst zum Alltag vieler Kinder und Jugendlicher. Ob am Tablet, an der Konsole oder auf dem Smartphone – gezockt wird fast überall. Doch was macht den Reiz von Games eigentlich aus, wo liegen Risiken, und wie können Eltern und Pädagog:innen Kinder dabei begleiten?

Gaming in Zahlen 

Das Spielen digitaler Spiele gehört zu den Lieblingsfreizeitbeschäftigungen der 6- bis 13-Jährigen, das zeigt die KIM-Studie 2024 ganz deutlich.

64 Prozent der Kinder spielen mindestens einmal pro Woche, 28 Prozent sogar täglich.

Mit zunehmendem Alter wächst die Bedeutung digitaler Spiele: Unter den 6-7-Jährigen spielen 45 Prozent regelmäßig, bei den 12–13-Jährigen sind es bereits 80 Prozent! 

Beliebte Spiele sind dabei Minecraft, Fortnite, Roblox, Brawl Stars oder auch Call of Duty.

Wenn Zocken zur Belastung wird: Gamingsucht erkennen

Für die meisten Kinder ist Gaming eine harmlose Freizeitbeschäftigung, doch in manchen Fällen kann es zu einer problematischen Nutzung oder sogar zur Sucht kommen.

Eine mögliche Gamingsucht kann sich durch verschiedene Anzeichen bemerkbar machen: Betroffene erleben häufig einen Kontrollverlust und haben große Schwierigkeiten, mit dem Spielen aufzuhören. Ihre Gedanken kreisen oft ständig um das Spiel, selbst wenn sie gerade nicht spielen. Gleichzeitig werden Schule, Arbeit oder andere Hobbys zunehmend vernachlässigt. Wird das Spielen eingeschränkt oder unterbrochen, kann es zu Reizbarkeit, Nervosität oder sogar aggressivem Verhalten kommen.

Die Ursachen für problematisches Gaming sind dabei vielfältig. Häufig spielen Langeweile oder der Wunsch, vor Problemen und belastenden Situationen zu fliehen, eine Rolle. Auch soziale Isolation kann ein Faktor sein, ebenso wie das Bedürfnis nach Anerkennung, das in Online-Welten scheinbar leichter erfüllt wird. Zusätzlich können in Games integrierte Glücksspiel-Mechanismen dazu führen, dass viele Kinder und Jugendliche länger spielen, als sie es eigentlich möchten oder ihnen guttut.

Diese Mechanismen werden als sogenannte „Dark Patterns“ bezeichnet. Dazu gehören unter anderem Time Patterns, bei denen zeitlich begrenzte Belohnungen oder Aufgaben eingesetzt werden, um Druck zu erzeugen und regelmäßiges Einloggen zu fördern. Money Patterns setzen auf In-Game-Käufe, Lootboxen oder exklusive Inhalte, die nur gegen Bezahlung verfügbar sind und zusätzliche Anreize schaffen. Social Patterns wiederum bauen auf Gruppendruck und soziale Verpflichtungen innerhalb von Online-Teams oder Spielgemeinschaften auf.

Mögliche Folgen einer Gamingsucht zeigen sich sowohl körperlich als auch sozial. Sie können von der Verschlechterung der schulischen Leistungen und Rückzug aus dem sozialen Umfeld über Konflikte innerhalb der Familie bis hin zu Rückenschmerzen, Sehnenscheidenentzündungen und Schlafstörungen reichen. 

Vorbeugen statt verbieten 🙂 Tipps für Eltern & Pädagog:innen 

Gaming kann Spaß machen – wichtig ist ein gesundes Gleichgewicht. So gelingt’s:

  • Klare Regeln & Zeiten: Vereinbaren Sie feste Spielzeiten und halten Sie diese konsequent ein.
  • Alternative Aktivitäten: Sport, Ausflüge oder Brettspiele sorgen für Abwechslung.
  • Vorbild sein: Zeigen Sie selbst, wie vielfältig Freizeitgestaltung aussehen kann.
  • Interesse zeigen: Fragen Sie nach Lieblingsspielen, tauschen Sie sich aus, bleiben Sie im Gespräch.
  • Ansprechpartner:in sein: Sprechen Sie offen über Gefühle und Spielverhalten – ohne Druck.
  • Verantwortung fördern: Kinder sollen lernen, ihre Spielzeit selbst zu reflektieren.

 

Gefahren in der Gaming-Welt: Wenn Spielräume missbraucht werden 

„It’s all fun and games… until it’s not.“ Online-Games sind Gemeinschaftsräume, und genau das macht sie auch anfällig für Missbrauch.

In offenen Spielwelten oder auf begleitenden Plattformen tauchen immer wieder extremistische Inhalte auf oder es wird gezielt versucht, Kontakt zu Minderjährigen aufzubauen. Wichtig dabei: Games machen niemanden automatisch radikal, sie können aber als Plattform dafür genutzt werden. Auch sexuelle Belästigung ist ein Thema, etwa wenn sich Täter:innen als Gleichaltrige ausgeben und Gespräche auf andere Kanäle verlagern (lesen Sie hierzu auch unseren Blogbeitrag zum Thema Cybergrooming). Reine Verbote greifen hier zu kurz – viel hilfreicher sind Aufklärung, offene Gespräche, klare Absprachen und sichere Regeln für den Umgang mit Online-Spielen.

Gaming kann mehr! Die positiven Seiten des Spielens

Bei all den berechtigten Sorgen rund ums Gaming sollte eines nicht vergessen werden: Games sind nicht nur ein Risiko, sondern auch eine große Chance. Viele Spiele fördern Kreativität, Teamarbeit und Problemlösungsfähigkeiten. Sie können motivieren, Wissen vermitteln und Lernprozesse spielerisch unterstützen.

Ein besonderes Beispiel dafür sind sogenannte Serious Games. Dabei handelt es sich um Spiele, die nicht nur unterhalten, sondern gezielt Wissen und wichtige Kompetenzen vermitteln. In der Bildung machen sie Lerninhalte anschaulich und leichter verständlich. Im Bereich Training und Simulation können reale Situationen gefahrlos ausprobiert und eingeübt werden, etwa in der Medizin oder im Berufsalltag. Auch Organisationen nutzen Serious Games, um Teamarbeit, Kommunikation und Entscheidungsfindung zu trainieren. Serious Games verbinden Lernen, Ausprobieren und Spaß miteinander, und machen Wissen so wirklich erlebbar.

Gaming ist heute ein fester Bestandteil der Lebenswelt von vielen Kindern und Jugendlichen – mit allen Chancen und Risiken. Entscheidend ist, dass Eltern, Pädagog:innen und Kinder gemeinsam einen reflektierten Umgang mit digitalen Spielen finden.
Denn richtig begleitet, kann Gaming nicht nur Spaß machen, sondern auch bilden, verbinden und begeistern.

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