Kinder und Jugendliche bewegen sich heute selbstverständlich im digitalen Raum. Sie chatten, spielen Online-Games, sind auf Social Media aktiv und knüpfen dort Kontakte. Genau hier setzt eine Gefahr an, die oft noch unterschätzt wird: Cybergrooming.
Was bedeutet Cybergrooming?
Wir sprechen von Cybergrooming, wenn Erwachsene gezielt online Kontakt zu Minderjährigen aufnehmen, um sexuelle Handlungen vorzubereiten oder anzubahnen. Das kann über soziale Netzwerke, Messenger-Dienste, wie WhatsApp, Telegram, Instagram und Co., Videochats oder Online-Spiele geschehen. Oft geht es dabei um das Versenden intimer Bilder, das Zeigen vor der Kamera oder um die Vorbereitung realer Treffen.
Wichtig zu wissen: In Deutschland ist Cybergrooming strafbar! Bereits die Kontaktaufnahme mit entsprechender Absicht ist ein Straftatbestand. Es müssen weder Bilder verschickt noch Treffen stattgefunden haben!
Cybergrooming ist kein Einzelfall
Aktuelle Erhebungen, unter anderem der Landesanstalt für Medien NRW, zeigen: Das Risiko, online von Erwachsenen mit sexuellen Absichten kontaktiert zu werden, ist weiterhin hoch. Besonders häufig betroffen sind Kinder unter 14 Jahren. Gleichzeitig wächst der Wunsch nach Aufklärung, vor allem im schulischen Umfeld.
Diese Zahlen machen deutlich, wie wichtig es ist, dass Erwachsene hinschauen, zuhören und ansprechbar bleiben. Technische Schutzmaßnahmen allein reichen nicht aus. Entscheidend sind Beziehung, Vertrauen und Wissen.
Täterstrategien erkennen
Cybergrooming beginnt selten offensichtlich. Personen mit sexuellen Absichten treten oft freundlich, verständnisvoll und hilfsbereit auf. Sie zeigen Interesse, hören zu und nehmen die Sorgen junger Menschen ernst – zumindest scheinbar. Ihr Ziel ist es, Vertrauen aufzubauen und eine emotionale Nähe herzustellen.
Gerade weil diese Kontakte zunächst harmlos wirken, ist es wichtig, Kinder und Jugendliche für typische Warnsignale zu sensibilisieren und sie darin zu stärken, ein ungutes Gefühl ernst zu nehmen.
Mögliche Folgen für Betroffene
Cybergrooming kann schwerwiegende psychische und soziale Folgen haben – kurzfristig wie langfristig. Viele Betroffene leiden unter Angst, Selbstzweifeln oder depressiven Verstimmungen. Häufig wirkt sich das Erlebte auch auf Beziehungen zu Freundinnen, Freunden und der Familie aus. Vertrauen fällt schwer, Nähe kann verunsichern.
Besonders belastend sind Scham- und Schuldgefühle. Viele Kinder und Jugendliche geben sich selbst die Verantwortung für das Geschehene und schweigen aus Angst vor Vorwürfen oder Strafen. Dabei ist klar: Die Schuld liegt immer bei den Täterinnen und Tätern, niemals bei den Betroffenen.
Wie Erwachsene schützen und stärken können
Eltern, Lehrkräfte und andere Bezugspersonen spielen eine zentrale Rolle. Kinder brauchen Erwachsene, die informieren, begleiten und ernst nehmen. Dabei helfen unter anderem folgende Ansätze:
- Sprechen Sie offen über Online-Kontakte und erklären Sie, dass nicht jedes Profil echt ist.
- Unterstützen Sie Kinder dabei, ihre Profile möglichst privat zu halten und sparsam mit persönlichen Daten umzugehen.
- Machen Sie deutlich, dass niemand zu Bildern, Videos oder Gesprächen gedrängt werden darf.
- Ermutigen Sie dazu, Kontakte abzubrechen, wenn sich etwas unangenehm anfühlt.
- Zeigen Sie, wie Profile blockiert und gemeldet werden können, und erklären Sie, warum Screenshots als Beweise wichtig sein können.
- Stärken Sie das Vertrauen in das eigene Bauchgefühl und signalisieren Sie: Sie dürfen jederzeit kommen, ohne Angst vor Ärger oder Schuldzuweisungen.
Reden hilft und schützt
Schweigen schützt nur die Täterinnen und Täter. Für Betroffene von Cybergrooming ist es entscheidend zu wissen, dass sie nicht allein sind und Unterstützung verdienen. Gespräche mit vertrauten Personen, Beratungsstellen oder professionellen Hilfsangeboten können entlasten und Wege aus der Situation aufzeigen.
Es gibt zahlreiche kostenlose, anonyme und auch digitale Beratungsangebote, die zuhören, informieren und begleiten. Aufklärung, Beziehung und Vertrauen bleiben die wichtigsten Schutzfaktoren – online wie offline.
Hier finden Sie Hilfe, wenn Ihr Kind von Cybergrooming betroffen ist:
- Nummer gegen Kummer: 116 111 (Für Kinder und Jugendliche), 0800 111 0550 (Für Eltern).
- juuuport.de: Eine digitale Beratungsstelle für Jugendliche.
- safeimrecht.de: Kostenlose Rechtsberatung für Menschen bis ca. 21 Jahre.
- schreib-ollie.de: Digitale Beratungsstelle zur sexuellen Gewalt in Kindheit und Jugend.
- Hilfetelefon Sexueller Missbrauch: Kostenfrei und anonym unter 0800 22 55 530.



